Ende dieses Seitenbereichs.

Beginn des Seitenbereichs: Inhalt:

Nachruf auf DDr. Ingeborg Janssen (1926-2014)

Montag, 05.05.2014

Erste Doktorin der katholischen Theologie an der Karl-Franzens-Universität Graz

 

Gegen Ende ihres Lebens fast erblindet verstarb genau eine Woche nach dem Karfreitag, am 25. April 2014, im Sanatorium der Kreuzschwestern DDr. Ingeborg Janssen. Die pensionierte Religionsprofessorin und Oberstudienrätin wollte nie im Blickfeld stehen und bewirkte dies doch mit dem bahnbrechenden Ereignis, dass sie als erste Frau in katholischer Theologie an der Karl-Franzens-Universität am 4. Juli 1961 promoviert wurde. Damit vollbrachte sie eine Pioniertat in der fast 400-jährigen Geschichte der Alma Mater Graecensis, ohne jene gezielt angestrebt zu haben.

 

DDr. Janssen stammte aus Mönchengladbach, wo sie 1926 geboren wurde. Als 13-Jährige musste sie mit ihren Eltern wegen des Krieges ihre niederrheinische Heimat verlassen. Die Familie übersiedelte nach Graz und bezog die Wohnung eines Freundes der Familie, die dem steirischen Dichter Hans Leifhelm (1891-1947), auch aus Mönchengladbach gebürtig, gehörte. Dieser war 1939 nach Italien gezogen.

 

Ingeborg Janssen, die einzige und daher besonders behütete Tochter der Familie, erhielt von ihrer Mutter, einer Lehrerin, dürftigen Privatunterricht. 1946 maturierte sie am II. Bundesrealgymnasium in Graz. Existenzphilosophische Themen und Fragen nach dem Sinn des Lebens führten sie zunächst zum Studium der Philosophie und Linguistik, das sie an der Karl-Franzens-Universität 1953 mit der Promotion und einer Arbeit über „Biswangers Liebesphilosophie: Ein klärender Versuch“ beendete. Daran schloss sie ein Studium der katholischen Theologie an und stieß dabei auf ein von Männern dominiertes Umfeld. Mit ihrem Dissertationsthema „Der Diakonat der Frau als Reflexion des jeweiligen Zeitgeistes“ betrat Dr. Janssen das damals wenig bekannte Feld der Frauenforschung, fast dreieinhalb Jahrzehnte, bevor diese als Forschungsschwerpunkt der Katholisch-Theologischen Fakultät deklariert wurde. In ihrer zweiten Doktorarbeit brachte Dr. Janssen wissenschaftlich den Nachweis, dass aus theologie- und kirchengeschichtlicher Perspektive nichts gegen die Weihe von Diakoninnen spricht, ein Jahr, bevor das Zweite Vatikanum zu seiner positiveren Bewertung der Rolle der Frauen in der Kirche kam. Mit der vom damaligen Kirchenhistoriker Andreas Posch und Kirchenrechtler Josef Trummer positiv begutachteten Arbeit wurde Janssen zur ersten Doktorin der Theologie in Graz promoviert und erreichte trotz eines mühevollen und steinigen Weges ein damals ungewöhnliches Ziel für Theologiestudentinnen, gelang ihr ein bemerkenswerter Durchbruch, der für andere Frauen vorbildhaft wurde. Die Option, als Frau in der theologischen Wissenschaft und Forschung zu verbleiben, erwägte DDr. Ingeborg Janssen aufgrund der Zeitumstände wohl nicht. Zwar habilitierte sich nur zwei Jahre später, 1962, in Graz mit Johann B. Bauer der erste Laie des deutschen Sprachraums in katholischer Theologie. Doch sollte es noch ganze drei Jahrzehnte dauern, bis Frauen in theologischen Disziplinen die Lehrbefugnis erhielten (1993 mit Dr. Irmtraud Fischer in Graz).

 

Hatte Ingeborg Janssen vor ihrer Promotion bereits als Katechetin an der Volksschule Mariagrün und an verschiedenen Gymnasien gewirkt, so wurde sie nach ihrer Promotion und erfolgter Lehramtsprüfung Religionsprofessorin in der HAK und in der HBLA Schrödingergasse in Graz, wo sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1987 Religion und zeitweise auch Philosophie unterrichtete.

 

Solange es ihre Gesundheit erlaubte, brachte die kleine, zierliche Dame ihre Verbundenheit mit der Theologie zum Ausdruck. Oft besuchte sie Veranstaltungen der Theologischen Fakultät, besonders jene des inzwischen installierten Fakultätsschwerpunktes Frauen- und Geschlechterforschung, und nahm aus Gründen der Bescheidenheit und Zurückgezogenheit stets in der letzten Reihe Platz. Manch junger promovierter Theologiekollegin brachte sie ihre Mitfreude durch das heimliche Hinterlegen einer Sektflasche an der Bürotür zum Ausdruck.

 

In Anerkennung ihrer besonderen Pionierleistung in der Frauenforschung erhielt DDr. Ingeborg Janssen im Jahr 2000 den Goldenen Ehrenring um Verdienste der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz. Diese Ehrung nahm sie nur widerwillig an – aufgrund der hartnäckigen Überredungskunst des ehemaligen Dekans Univ.-Prof. Dr. Maximilian Liebmann, der diese Auszeichnung für sie in die Wege leitete. DDr. Janssen ist übrigens bislang die einzige Ehrenringträgerin der Fakultät (von insgesamt 12 Ausgezeichneten).

 

DDr. Janssen, eine Liebhaberin der Renaissance-Musik, führte privat ein Leben in großer Bescheidenheit und Einfachheit. Sie gab ihren gesamten Besitz den Armen und gründete in Übereinkunft mit der Caritas Graz-Seckau die Stiftung „Caritas-Fontana“ (IBAN= AT346000000007925700). Diese sollte eine nicht versiegende Quelle sein, die immer für die Bedürftigen fließt.

 

Das Begräbnis findet am 5. Mai 2014 auf dem Friedhof St. Leonhard in Graz statt.

 

Michaela Sohn-Kronthaler

Ende dieses Seitenbereichs.

Beginn des Seitenbereichs: Zusatzinformationen:


Ende dieses Seitenbereichs.